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Die perfekte Prüfungsaufgabe

Neulich behauptete ein PADB-Experte doch tatsächlich, er habe kein Händchen fürs Erstellen von Prüfungsaufgaben. Das stimmt bestimmt nicht, denn wenn man ein paar Regeln beachtet, geht das Schreiben garantiert leicht von der Hand. Professionelle Autor*innen überlegen sich genau, welche Informationen in ihrem Text stehen sollen, und haben einen Fundus an Formulierungen parat. Wir brauchen also ein Grundgerüst für unsere Prüfungsaufgaben. Das erleichtert das Schreiben und daran können sich alle halten. 

Aber von vorne: Schauen wir mal, worauf es bei einer Meisterprüfung eigentlich ankommt.

Max Meisterprüfling soll beweisen, dass er Meister seines Faches ist. Da reicht es natürlich nicht aus, nur sein Fachwissen abzufragen. Er soll beweisen, dass er es in seinem Betrieb richtig einsetzen kann. Deshalb beschreiben wir ihm eine realistische Situation mit allen Informationen, die er für die Prüfung braucht. Und dazu stellen wir dann Aufgaben. 

Womit wir beim nächsten Thema wären: Wir stellen Aufgaben, keine Fragen- und schon gar keine W-Fragen. Die sind nicht rechtssicher, weil sie zu viele Antwortmöglichkeiten bieten (die dann auch bewertet werden müssten). Unsere PADB-Aufgaben beginnen mit einer Aufforderung wie "Nennen Sie", "Erklären Sie", "Analysieren Sie", "Bewerten Sie" oder "Entwickeln Sie". Praktisch, da hat man als Verfasser der Aufgabe schon einmal einen Einstieg.

Praktisch ist auch, dass man die Aufgaben mit diesen Aufforderungen auch gleich kategorisiert: Mit "Nennen Sie" wird eine Wissensabfrage eingeleitet, mit "Analysieren Sie" die genaue Betrachtung und an höchster Stelle steht die Entwicklung neuer Ideen. Klar, dass es für die Letzteren mehr Punkte geben muss. Wir nennen diese Kategorisierung Taxonomie. Und wenn man die Aufgaben erst einmal in die Taxonomiestufen eingeordnet hat, fällt die Entwicklung der Aufgaben viel leichter! 

Aber wie fasst man denn nun die ganzen Informationen in Worte und Sätze? Mein Tipp: Erst einmal alle Informationen sammeln, dann schauen, ob sie mit der erwarteten Lösung zusammenpassen. Damit nichts verloren geht oder in der Prüfung übersehen wird, sollte jede Information in einen kurzen Satz verpackt werden. So entsteht eine eindeutige Situationsbeschreibung, an deren Ende eine klare und eindeutige Handlungsaufforderung steht. Es soll kein sprachliches Kunstwerk werden, sondern ein Text, den wirklich jeder verstehen kann. Und dann kann Max Meisterprüfling loslegen und beweisen, dass er wirklich ein Meister seines Faches ist. 

Viel Spaß beim Verpacken Ihres Fachwissens! Ich melde mich wieder und bringe kleine Sprachregelpakete mit!

Hätten Sie es gewusst?

Abkürzungen gibt es viele in unseren Prüfungsaufgaben. Sie werden mal mit einem Punkt am Ende ("evtl.") oder nach jedem Buchstaben ("z. B.") geschrieben. Aber warum? Lesen wir "evtl.", sprechen wir in Gedanken ein Wort aus: eventuell. Dann kommt der Punkt ans Ende der Abkürzung. Lesen wir "z. B.", sagen wir zwei Wörter. Und die müssen jedes für sich abgekürzt werden. Und warum hat die ZWH gar keine Punkte? Weil hier aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter ein sogenanntes Initalwort entstanden ist. Jeder Buchstabe wird gesprochen, wie bei HWK, EU oder GmbH. Übrigens: Bei manchen Wörtern haben die meisten von uns schon vergessen, dass sie es mit Abkürzungen zu tun haben. Ich sag nur: Fiat, Radar und Laser.